Hintergrund

Die weltpolitischen und finanziellen Krisen in diesem Jahrtausend haben unserer Gesellschaft immer wieder und immer nachhaltiger den stabilen, sicheren Boden unter den Füßen weggezogen. Unsere Lebenswelt ändert sich grundlegend und rapide im atemberaubenden Tempo der Globalisierung: durch den Zusammenbruch von Wirtschaftsstrukturen, durch die Klimaveränderung, auch durch Internet und Mobilität – durch das "Zusammenrücken" der Welt. Und jeder spürt den Druck der Verantwortung, das alles mittragen zu müssen, die Verantwortung für Umwelt, für Bildung, für Toleranz, für die Mitmenschen.

Diese Veränderungen sind so tiefgreifend und die Verantwortung ist so überwältigend, dass jeder Mensch seine eigene Position in der Gesellschaft überdenken und neu definieren muss. Der Begriff der "Innovation" bekommt eine existentielle Bedeutung. Und die innovative Kunst hat dabei eine ganz neue, greifbare Funktion.

Für viele Menschen erfüllt Kultur vor allem die Funktion eines Schutzraums, der Bestätigung einer bestimmten Haltung oder auch eines gesellschaftlichen Milieus, dem man sich zugehörig fühlt. Eine Vergewisserung seiner selbst – oder eine Manifestation der Lebenswelt, in der man sich eingerichtet hat. Die Kunst der Gegenwart bestätigt uns nicht in unserer Lebenswelt – im Gegenteil. Sie erfüllt keine Erwartungen. Sie ist etwas Fremdes, sie kommt rätselhaft daher, sie ist unvorhersehbar. Man muss sie entschlüsseln und kann sie doch nie umfassend begreifen.

Die Beschäftigung mit gegenwärtiger Kunst impliziert, sich dem Risiko zu öffnen und dem Unkalkulierbaren. Sie bedeutet Aufgeschlossenheit gegenüber Fremdem und die Reflexion eigener Positionen. Sie erfordert innovatives Denken. Sie fordert heraus zum Aufbruch aus der Tradition und zum Formulieren von Zukunft.

Musik spielt dabei eine ganz besondere Rolle. Sie ist jene Kunst, die am direktesten im Innersten eines Menschen ankommt, die die Seele anrührt, die emotionalisieren, aufwühlen, euphorisieren, beruhigen kann. Viele Menschen verbinden mit dem Musik-Hören bestimmte emotionale Erwartungen. Möglicherweise ist die Musik gerade deshalb die Kunst, die uns am nachhaltigsten irritieren kann. Und vielleicht ist sie damit die Kunst, die uns am besten in neue Welten entführen kann.